Autorin Rike Reiniger stellt Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 8 in der Gemeinschaftsschule Herbsleben ihr Jugendbuch "Risse in den Wörtern" vor

Zeitraum: Montag, 06. Mai 2019 - Montag, 06. Mai 2019 | 11:30 Uhr - 13:00 Uhr

Ort : Thüringer Gemeinschaftsschule Herbsleben

Das Buch Rike Reinigers beinhaltet neben Arbeitsmaterialien, die weiterführend den Deutsch- und Ethikunterricht bereichern können, einen Theatermonolog des Protagonisten Sascha. Durch die persönliche Vortragsweise der Autorin wird die Handlung zum einen szenisch belebt, trägt aber auch durch das Vorlesen zur Textentlastung bzw. vereinfachten Textrezeption und damit auch zu einem Literaturzugang bei. Die Schüler üben sich im konzentrierten und aufmerksamen Zuhören und nehmen die Literatur-Veranstaltung durch einen externen Kulturpartner wertschätzend und als etwas Besonderes wahr. Sie erleben die Autorin direkt vor Ort und werden sich mit ihr über den Text hinaus zum Inhalt auseinandersetzen. Aufgrund der eindringlichen, sehr aktuellen Thematik, die außerdem die Erfahrungswelt der Jugendlichen aufgrund bevorstehender Berufswahl berührt, wirkt die Lesung insgesamt motivierend, sich im Nachgang mit dem gesamten literarischen Werk intensiver zu beschäftigen.

Im Buch geht es um einen jungen Mann, der Zukunftspläne mit seiner Freundin hat. Er möchte sich mit ihr gemeinsam den Traum vom eigenen Haus zu verwirklichen. Nachdem die Zukunftsvisionen durch den Konkurs seiner Firma scheitern, bewirbt er sich um einen gut bezahlten Auslandseinsatz bei der Bundeswehr. Er erlebt die Grausamkeit des Krieges in Afghanistan, sieht bei einem Gefecht seinen Freund und einen jungen Taliban-Kämpfer sterben. Während für den getöteten Soldaten eine Ehrenwache abgehalten wird, erfährt der Taliban-Kämpfer auf Anordnung des afghanischen Dorfvorstehers keine Bestattung und bleibt im Schmutz liegen. Obwohl die Lektüre eine fiktive Situation konstruiert, so ist sie doch realitätsnah und zeigt sehr ergreifend die Konsequenzen auf, wenn man sich für den Auslandseinsatz in Krisengebieten – diese sind an eine Berufslaufbahn bei der Bundeswehr gebunden – verpflichtet. Die Zuhörer werden mit Gewalt, Krieg und Tod sowie mit den daraus resultierenden traumatischen Folgen der beteiligten Einsatzkräfte konfrontiert. Über das Medium Sprache und seiner eindringlich vermittelnden Kraft werden die Teilnehmer/innen der Lesung nicht nur emotional berührt, sondern sie entwickeln eine kompetent hinterfragende Haltung gegenüber den Aufträgen der Bundeswehr als „Parlamentsarmee“. Somit leistet die Lektüre einschließlich der anknüpfenden Diskussion einen Beitrag zur Demokratieentwicklung. Sie befähigt junge Menschen, zu gesellschaftlichen Fragen und Themen mit gut recherchiertem Wissen, Argumentationen und gefestigten Meinungen in die Debatte zu gehen.

Gefördert durch das TMBJS.