„Meine Sprache, deine Sprache."

Lese- und Schreibworkshops in Kooperation mit Schulen u. a. Einrichtungen, die Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund besuchen

Projektbeschreibung/Projektziele

Die Anzahl an Menschen mit variablen kulturellen Hintergründen steigt in Deutschland nicht nur im Licht der Tatsache der zunehmenden Fülle von Vertriebenen und Flüchtlingen aus den Krisengebieten dieser Welt. Diese Menschen haben sich mit vielfältigen Problemen auseinanderzusetzen, die zumeist darin begründet sind, dass sie aus einem anderen Sprach- und Kulturkreis kommen, oft in sozialen Brennpunkten leben, durch Immigration, europäische Integration, Flucht und schlimme Erlebnisse (Krieg, Verfolgung usw.) traumatisiert oder anderweitig geschwächt sind und eben meist nur ihre eigene Sprache haben. Sie sollen sich in einer neuen Umgebung, einer anderen Kultur und in einer neuen Sprache zurechtfinden und sich in die deutsche sich digitalisierende Gesellschaft einfügen. Das gilt für alle Gruppen: Einheimische, Flüchtlinge, Minderheiten, Vertriebene, Analphabeten, Asylbewerber, Spätaussiedler, sozialschwache Familien, Zugewanderte, hier Geborene und eingebürgerte Menschen mit ausländischen kulturellen Wurzeln.

Wir wollen mit dem Projekt einen lese- und schreibfördernden Raum schaffen, in dem Kinder- und Jugendliche zusammen mit einem erfahrenen Autor, sich und ihrer Sprachen aber auch Dialekten und Soziolekten begegnen. Sie sollen sich kennenlernen und voneinander profitieren. Gerade der Austausch und das Erklären der eigenen Sprache, Situation, Tradition und Verhaltensweisen hilft es, sich umfassend zu akzeptieren.

Die Integration, Akzeptanz und Inklusion von Kindern und Jugendlichen, die des deutschen nicht mächtig sind, aus nichtdeutschen Ländern stammen, teilweise die deutsche Sprache noch nicht beherrschen und auch eine eigene Sprache oder einen Dialekt in ihrer Familie sprechen, ist eine der großen Herausforderungen. Wir möchten gern gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend einen Beitrag dazu beisteuern, wie man mit Workshops den Austausch und die Kommunikation zwischen deutschen Schülern und den neu aus welchen Ländern auch immer dazukommenden Schülern fördern kann. Wir können dazu Workshops veranstalten, die einerseits die Kreativität des Schreibens und Lesens entfalten und anregen und andererseits gestalterische Elemente (Malerei, Musik, etc.) enthalten, an denen sie gemeinsam arbeiten. Das Ziel ist, Sprachbarrieren zu überwinden, das Verständnis für die deutsche und andere Sprache wecken und den Austausch zu fördern.

Der Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise will sich mit seinem Projekt „Meine Sprache, deine Sprache“ Kindern und Jugendlichen in den verschiedenen Kulturkreisen zuwenden und dabei über seine Landesverbände in allen Bundesländern aktiv werden. Aus den Erfahrungen der erfolgreichen Durchführung ähnlich strukturierter Projekte seit mehreren Jahren, die bereits zu Begegnungen unterschiedlicher Sprachen führten, wissen wir, dass sich die meisten jungen Menschen in ähnlichen bzw. vergleichbaren Situationen befinden und ähnliche bzw. vergleichbare Probleme zu bewältigen haben. Ihre Fragen lauten:

Woher komme ich, wo gehöre ich hin? Fühle ich mich hier schon oder immer noch zuhause oder immer noch fremd? Bin ich willkommen oder werde ich abgelehnt? Wie kann es mir gelingen, mich besser zu verständigen? Welche Erwartungen habe ich an mein Leben in Deutschland? Wie stelle ich mir meine Zukunft vor? …

Durchführung

Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise e.V. in Zusammenarbeit mit seinen Landesverbänden

Wir werden in allen Bundesländern eintägige Lese- und Schreibworkshops an Schulen und anderen Einrichtungen, die von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund besucht werden, organisieren. Die Workshops sollen nicht nur multikulturell, sondern auch multimedial sein. Wir setzen dabei auf Vermögen und Potenziale der Autorinnen und Autoren, die über vielfältige Erfahrungen in der kreativen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verfügen. Vom klassischen Erzählen und Vorlesen über "Geschichten erfinden", „Bilderbuch-Werkstatt, "Schreibseminar für Kinder", „Krimi- oder Fantasy-Workshop" bis zu "Erzähl- und Bewegungswerkstatt" oder „Musical-Workshop“ reicht das Spektrum der Angebote. Vorstellbar wären auch zweisprachige Bücher im Stil der Vorlesebücher.

Für jüngere Schüler (etwa 3. bis 6. Klasse) sind zum Beispiel Schreib- und Malwerkstätten denkbar, die von Autorinnen und Autoren, die gleichzeitig auch illustrieren, geleitet werden. Die Kinder arbeiten an einer gemeinsamen Aufgabe (vielleicht auch in kleinen Gruppen), bei der Wort und Bild zusammengeführt werden. Wichtig ist, dass man hinterher etwas Gemeinsames erarbeitet hat, das man dokumentiert und in den Händen hält. Dies stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl nachhaltig.

Für ältere Schüler (6. bis 10. Klasse) bieten sich auch szenische Werkstätten an, bei denen erweiterte, ergänzte oder eigene Texte szenisch umgesetzt werden. Es sollte dabei relativ offen sein, welche Themen verhandelt werden. Oft lösen Migrationserfahrungen Blockaden aus. Aber emotional besetzte Themen, die mit Flucht, Fremd- Sein und Integration zu tun haben, würden sich anbieten, so z.B. Heimat, Zukunft, Glück, Perspektiven. Eine weitere Variante der szenischen Werkstatt könnte die Songwriter-Werkstatt sein.

Die Landesverbände des Friedrich-Bödecker-Kreises, die durch vielfältige Projekte mit Autorenbegegnungen und Schreibwerkstätten in den letzten Jahren die Bedingungen in ihren Ländern und Kommunen am besten kennen, sollen sowohl die örtlichen Einrichtungen (Schulen) sowie die jeweils passenden Autorinnen und Autoren auswählen. Sie beantragen beim Bundesverband die Förderung. Wir setzen darauf, dass sich die meisten Landesverbände beteiligen werden und dadurch ein breites Spektrum an Begegnungen abgedeckt wird.

Angedacht ist ein flexibles Modulsystem, bestehend aus 25 Einzelmodulen. Ein Modul steht grundsätzlich für einen eintägigen Lese- und Schreibworkshop. Interessierte Schulen können sich auch für zwei Module, also zwei Tage, bewerben, was besonders in den „höheren“ Klassen sehr sinnvoll ist.

Vorhaben des FBK für Thüringen e.V. im Rahmen des „Meine Sprache, deine Sprache."

In guter Zusammenarbeit wird, der Schriftsteller André Pfeifer und das Förderzentrum „Hans Bürger“, Blankenhain ein gemeinsames Buchprojekt durchführen.

An der Förderschule wird bei Kindern mit Lernbehinderungen und Verhaltensstörungen die sozial emotionale Entwicklung gefördert. Es sind oft Kinder aus sozial schwachen Schichten der Bevölkerung, oder mit Migrationshintergrund, für die es besonders wichtig ist, über Teamarbeit ihr Selbstbewusst-sein zu stärken. Die Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren werden gemeinsam mit Herrn Pfeifer ein Buch schreiben. Es wird ein Buch mit Witzen und Anekdoten, die ja die kleinste literarische Form darstellen.

Für die Kinder ist es wichtig in ganz kleinem überschaubarem Rahmen zu schreiben, zu lesen, Sinn und Pointe zu erfassen und hierbei ihre Kreativität und ihr Deutsch zu entwickeln. Für Kinder, die sich schwer konzentrieren können und auch schnell die Lust verlieren, ist die Arbeit mit diesen ganz kurzen Texten eine schöne Möglichkeit, an das Schreiben und Verbessern von Texten herangeführt zu werden. Gleichzeitig entsteht durch Teamarbeit, da jeder etwas beiträgt, ein ganzes Buch voller Spaß.

Jeder kann sich mit einbringen, da natürlich das Buch auch gestaltet werden muss, mit Bildern oder grafischen Elementen. Parallel hierzu werden Lesezeichen, das Buch betreffend, entworfen, die an Interessenten verteilt werden.

Das Buch selbst erfährt dann einen professionellen Satz und wird mit Herrn Pfeifer als Herausgeber ein Jahr lang mit ISBN-Nummer und auch als E-Book im Buchhandel erhältlich sein. Eine öffentliche Vor-stellung des Buches im Schloss zu Blankenhain ist für November geplant, wobei das eigentliche Schreib-projekt am 25. und 26. September stattfinden soll.

Kurzer Bericht zum Projekt „Meine Sprache - Deine Sprache“

von dem Autor und Werkstattleiter André Pfeifer

 Seit einiger Zeit hatte ich die Idee mit Kindern ein Witzebuch zu gestalten. Im September 2018 bekam ich die Möglichkeit für ein solches Projekt in Blankenhain mit Schülern der vierten bis sechsten Klasse des Förderzentrums „Hans Bürger“. An dieser Förderschule wird bei Kindern mit Lernbehinderungen und Verhaltensstörungen die sozial emotionale Entwicklung gefördert. Es sind oft Kinder aus sozial schwachen Schichten der Bevölkerung, oder mit Migrationshintergrund, für die es besonders wichtig ist, über Teamarbeit ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

Das Projekt wurde auf fünf Tage einer Woche ausgelegt (24. bis 28. September), wobei täglich anderthalb bis zwei Stunden für die gemeinsame Arbeit zur Verfügung standen. Es sollte ein Büchlein entstehen, das ausschließlich Texte und Bilder der Kinder enthielt. 14 Kinder der vierten bis sechsten Klasse im Alter von neun bis zwölf Jahren haben Witze und Anekdoten gesammelt und Bilder und Hintergründe für die Buchseiten gemalt. Die kurzen Texte der Witze und Anekdoten, die ja die kleinste literarische Form darstellen, waren für die Kinder gut überschaubar und es gelang, auch Kinder mit großen Konzentrationsschwächen zu begeistern. Für die Kinder war es schön, in kleinem überschaubarem Rahmen zu schreiben, zu lesen, Sinn und Pointe zu erfassen und hierbei ihre Kreativität und ihr Deutsch zu entwickeln. Für Kinder, die sich schwer konzentrieren können und auch schnell die Lust verlieren, war die Arbeit mit diesen ganz kurzen Texten eine Freude. Es haben alle prima mitgearbeitet. Viele Kinder hatten Freude daran, ihre mitgebrachten Witze vor der ganzen Klasse vorzulesen. Und auch Kinder, denen das Lesen sehr schwer fiel, haben sehr gern etwas Neues vorgelesen. Das Malen hat den größten Spaß gemacht. Es wurde themenbezogen gezeichnet, um einzelne Witze oder Reime zu untermalen.
Mit der Zeit haben sich dann „Spezialisten“ herausgestellt. Ein Junge und zwei Mädchen mit den besten Schriften haben Witze abgeschrieben, um auch handgeschriebene Texte ins Buch einzufügen. Manche haben mit Finelinern gezeichnet, andere mit Buntstiften.

Wir hatten eine von den Kindern gestaltete Pappkiste, in die einfach alle Texte und Bilder hineinkamen. Nach der Projektwoche war die Kiste voll. Dann habe ich zu Hause mit dem Satz des Buches begonnen - Bilder einscannen, Texte abschreiben, Buch anlegen. Natürlich tauchten dann erst die wichtigsten Fragen auf, so dass ich dann noch mehrere Male in die Klasse kam, um einmal mit dem Computer zu zeigen, wie so ein Buch am Rechner entsteht, und dann noch dieses oder jene spezielle Bild anzufordern: „Wir brauchen noch eine Giraffe.“ „Einen Hai bitte.“ „Noch einen orangen Hintergrund.“ usw. Auch die Farben der Seiten, Titel, Impressum und Klappentext wurden besprochen und diskutiert, bis wir uns dann auf diese oder jene Formulierung und Gestaltung einigen konnten.
Somit entstand durch Teamarbeit, da jeder etwas beitrug, ein ganzes Buch voller guter Laune.

Kindern und auch Lehrern hat alles sehr viel Spaß gemacht, aber das Beste war dann die Präsentation des Buches mit einer kleinen Lesung einiger Kinder, auf dem Schulweihnachtsmarkt am 30.11.
Also im Ganzen ein gelungenes Projekt!