Heimatwelten - Erfurt

Bündnispartner:

  • Friedrich Bödecker Kreis für Thüringen e.V.
  • Herbstlese e.V.
  • Haus Dacheröden
  • Kinderbibliothek Erfurt

Autorenpate: Andreas Budzier

Zeitraum: ganzjährig von Januar 2019 bis Dezember 2019


Vorstellung der Bündnispartner:

Herbstlese e.V.

Der Herbstlese e.V. organisiert seit 1997 die Erfurter Herbstlese, die zu den großen literarischen Veranstaltungsreihen in Deutschland gehört. Außerdem organisiert er seit 2007 auch ein Festival im Frühjahr, die Frühlingslese, sowie weitere Lesungen in loser Folge. Der Herbstlese e.V. konnte sich über die Jahre einen sehr guten Ruf erarbeiten und populäre Autoren nach Erfurt einladen. Wie zum Beispiel: Günter Grass, Jonathan Franzen oder auch Frank Schätzing.


Haus Dacherröden

Seit Januar 2017 betreibt die Erfurter Herbstlese e.V. das Haus Dacheröden, welches ein Ort der literarisch-kulturellen Begegnung ist und einen Raum für den Workshop bereitstellt.


Kinder- und Jugendbibliothek Erfurt

Eine gute Adresse für alle großen und kleinen Bücherliebhaber ist die Kinder- und Jugendbibliothek in der Marktstraße 21. Hinter der historischen Fassade des Hauses laden drei moderne, farbenfrohe und weiträumige Etagen zum Lesen, Hören und Schauen ein. Egal, ob Abenteuer, Lustiges oder Wissenswertes, Bücher, Filme oder Musik, Hörsessel, Kickertisch oder Schmökerecke - hier findet jeder etwas für sich! Wählen kann man zwischen mehr als 30.000 verschiedenen Medien. Und sollte sich die Suche nach dem Lieblingsbuch doch einmal schwierig gestalten, steht das Bibliotheksteam um Frau Glöckner gern mit Rat und Tat zur Seite. In der Bibliothek kann man kostenlos das Internet nutzen, sowie mit dem eigenen Laptop per WLAN ins Internet gehen. Die Kinder- und Jugendbibliothek Erfurt veranstaltet Klassenführungen, interessante Lesungen, Ausstellungen und vieles mehr. Für Kindergärten, Schulen und Horte stellt sie thematische Medienboxen zusammen.

 

 

Vorstellung des/r Autor*innen:

Andreas Budzier:

Geboren am 22.5.1984 in Neubrandenburg. Studium des BA in den Fächern Germanistik, Kunstgeschichte und General Studies (u.a. Englisch, Rhetorik und Kommunikation) an der Universität Greifswald. Studium des MA Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt.
Seit 2004 in Schreibgruppen. Ab 2006 Durchführungen von Workshops für kreatives Schreiben. Seit 2009 Lehrbeauftragter beim Förderinstitut Heureka, Dozent an der Volkshochschule Erfurt und dem Erfurter Zentrum für Sprachen und Integration. Seit 2016 Arbeit als staatlich anerkannter Integrationslehrer für erwachsene Zugewanderte. Seit 2011 Organisator und Moderator der monatlichen Lesebühne Erfurter Autoren (LEA). 1. Vorsitzender des Highslammer e.V. Nimmt regelmäßig an Poetry Slams, Lesungen und Theaterprojekten teil. Moderation der Preisverleihung des Eobanus Hessus Literaturpreises 2012, 2013 und 2014.

Es werden noch weitere Autoren und Künstler an diesem Projekt teilnehmen. Diese stehen jedoch noch nicht fest. Schließlich ist es von den jugendlichen Teilnehmern abhängig, welche weiteren Künstler für das Projekt arbeiten werden. Denkbar sind herbei Schauspieler, Videokünstler und Musiker.

Auch zwei Ehrenamtliche werden in dem Projekt eingebunden sein. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin, die selbst einen Migrationshintergrund besitzt und somit mögliche Barrieren abbauen kann, da sie die arabische Sprache beherrscht unterstützt den Autor tatkräftig.

 

Zielgruppe:

Die Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren, die einen Migrationshintergrund aufweisen. Da das Projekt jedoch die Integration fördern soll, können an dem Workshop auch deutsche Jugendliche teilnehmen. Hiermit kann ein besserer kultureller Austausch ermöglicht werden und eine Hinterfragung der unterschiedlichsten Lebenswirklichkeiten in Deutschland. Deshalb gibt es auch keine explizite Einschränkung des Bildungsniveaus. Selbstverständlich können alle Jugendliche, die Interesse haben, an den Workshops teilnehmen und auf welche Art von Schule sie gehen, ist hierbei nebensächlich. Bei den Kindern mit Migrationshintergrund muss jedoch davon ausgegangen werden, dass sie meisten aus eher sozialbenachteiligten Familien stammen. Somit kann das Projekt dabei helfen, diesen Kindern einen Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen, den sie aus familiärer Sicht ansonsten nur schwer erlangen könnten. Die Teilnehmerzahl für dieses Projekt ist auf 15 TN begrenzt.

 

Thema/Inhalt:

Die Auseinandersetzung von Zugewanderten mit der deutschen Kultur und deutschen Gewohnheiten ist oft nicht einfach. Das Leben in Herkunftsländern wie Syrien, Iran, Irak oder Afghanistan unterscheidet sich in vielen Bereichen grundlegend.

Basierend auf diesem Unterschied ist gerade die aktuelle Lebenswirklichkeit in Deutschland interessant und soll Thema des Jahresprojektes „Heimatwelten“ sein. Hierbei sollen sich die jugendlichen Teilnehmer mit den kulturellen Unterschieden auseinandersetzen: Sie lernen die deutschen Lebensgewohnheiten in der Schule oder Vereinen oder mit Freunden kennen, haben jedoch oft durch die Eltern auch Kontakt zu den Gewohnheiten ihrer Herkunftsländer.

Daher ist es für das Projekt interessant, die Ankunft, das derzeitige Leben und auch die Zukunft in Deutschland zu thematisieren.

Hierbei soll es weniger um die Flucht gehen, da dies schon sehr oft in Medien oder anderen Workshops thematisiert wurde. Vielmehr soll es darum gehen, wie man mit diesen Kulturdifferenzen umgeht. Wie die Jugendlichen zwischen zwei Kulturen leben können: Der deutschen Kultur in der Schule und Freizeit und der Herkunftskultur bei den Eltern oder Verwandten. Welche Chancen und Probleme solch eine Kulturvielfalt besitzen kann.

Vor allem sollen Aspekte herausgefunden werden, die nicht medial weit verbreitet sind und möglicherweise auch Stereotype, Vorurteile und Rassismen deutlich machen. Vor allem ist es dann wichtig, wie mit solchen negativen Dingen umgegangen werden kann oder wie sie ganz verhindert werden können.

Somit sollen die Jugendlichen selbst unterstützt und gefördert werden, als auch der Blick für alltägliche Rassismen bei den Deutschen geschärft werden (Ausländer werden oft sehr schnell geduzt; sie werden oft für weniger intelligent gehalten; Deutsche sprechen lauter, wenn sie glauben, ein ausländischer Mensch versteht Deutsch nicht …)

Mit öffentlichen Präsentationen von Workshop-Ergebnissen kommt es ebenfalls zu einer Auseinandersetzung des Publikums mit diesen Themen. Zudem kann das Publikum auch eigene Verhaltensweisen hinterfragen.

 

Ablauf:

Mit unterschiedlichen Schreibübungen wird die Kreativität der Jugendlichen gefördert. Zudem können Übungen zur Rhetorik integriert werden, um Präsentationsformen zu üben und Lesungen vorzubereiten.

Nach dem anfänglichen Kennenlernen und der Gruppenbildung geht es zuerst um die Begriffsdefinition. Die Jugendlichen erarbeiten eine eigene Definition von Kultur und grenzen die deutsche Kultur von der Heimatkultur ihrer Eltern ab. Dies geschieht mit unterschiedlichen Schreib- und Performanceübungen.

Dann werden mögliche Problemfelder erarbeitet, die die Teilnehmer innerhalb dieser Kulturdifferenzen erkennen. Dies kann mittels Texte geschehen, indem die Teilnehmer zum Beispiel Kurzgeschichten oder Gedichte über etwas schreiben, was sie erlebten oder was sie gehört haben.

Selbstverständlich werden die Jugendlichen beim Schreiben der Texte unterstützt und ihre eigenen Wünsche und Ziele werden dabei beachtet.

Ein reiner Schreibworkshop soll dies jedoch nicht sein, denn eine multimediale Verarbeitung ist deutlich interessanter. Hierbei ist eine Zusammenarbeit mit anderen bildenden Künstlern denkbar. Zum Beispiel könnten Texte szenisch geschrieben und bei öffentlichen Präsentationen dargestellt werden (hierbei könnte eine Zusammenarbeit mit Schauspielern denkbar sein).

Texte können auch grafisch unterstützt werden, sodass ein Maler mit den Kindern Illustrationen anfertigt. Texte können auch musikalisch verarbeitet oder unterstützt werden.

So eine übergreifende künstlerische Arbeit kann gerade Jugendliche unterstützen, die sprachliche Barrieren besitzen, weil sie noch nicht lange Deutsch lernen. Zudem kann eine Mischung aus unterschiedlichen Kunstformen mehr Interesse wecken. Denn damit können Jugendliche erreicht werden, die ansonsten keinen oder nur einen geringen Zugang zu Literatur oder Kunst besitzen.

Welche weiteren Medien hierbei genutzt werden und wie diese umgesetzt werden, soll zusammen mit den Jugendlichen entschieden werden. Selbstverständlich werden beim Workshop Möglichkeiten gezeigt, doch die Gruppe soll selbst entscheiden, was sie gerne nutzen und umsetzen will. So kann zum einen die Gruppenbildung gefördert werden und die Jugendlichen können sich durch ihre eigene Entscheidung besser mit dem Projekt und ihren Ergebnissen identifizieren. Während des Projektes wir es auch öffentliche Lesungen und Präsentationen geben, um das Projekt, ihre Ideen und das Ergebnis zu präsentieren. Diese Präsentationen können Raum für die eigene Hinterfragung bieten, indem das Publikum erfährt, wie die kulturellen Differenzen aussehen und wie man diese möglichst verbessern oder verhindern kann. Somit kann das Projekt nicht nur für die Teilnehmer eine bessere Integration ermöglichen, indem sie die kulturellen Differenzen verstehen und damit lernen umzugehen, auch eine Aufklärung für die Rezipienten ist möglich.

Als Abschluss des Projektes, welches im Januar 2019 beginnt und im Dezember 2019 endet, wird ein Buch mit den Texten und Bildern der Teilnehmer entstehen. Zudem wird es eine Abschlusspräsentation geben, bei denen auch die anderen multimedialen Präsentationsmöglichkeiten vorgestellt werden. Denkbar ist hierbei das Spielen von Theaterszenen, das Zeigen von Videos oder das Spielen von Liedern, die die Teilnehmer selbst produzieren.

 

Lernziele:

Als thematisches Lernziel der Workshopreihe „Heimatwelten“ steht die Auseinandersetzung mit den kulturellen Unterschieden und den Schwierigkeiten der Integration. Sowohl auf Seiten der zugewanderten Jugendlichen, als auch auf Seiten von deutschen Jugendlichen und Deutschen allgemein, die dann die Ergebnisse rezipieren.

Selbstverständlich dient dieses Projekt auch der Lese- und Schreibförderung der Teilnehmer. Diese können lernen, sich kreativ auf Deutsch zu verständigen. Sie können Sprachbarrieren überwinden und innerhalb der Gruppe mit anderen Teilnehmern zusammenarbeiten. Zudem lernen die Teilnehmer mit Schreib- und Performanceübungen Präsentationsmöglichkeiten und unterschiedliche Kunstformen kennen.

Somit kann dieses Projekt die Integration unterstützen, indem die Teilnehmer lernen, welche Interessen und Begabungen sie haben und wie sie diese umsetzen können. Gerade die multimediale Arbeit kann hierbei unterstützend wirken und ein größeres Interesse für Lesen, Schreiben und Performance bieten.

 


Beispiele aus der Werkstatt

Elfchen

Freude
Vater kommt
6 Jahre weg
Ich sehe meinen Vater
Wiedersehen
            - Abdulrahman

Krieg
Unschuldige töten
Das ist traurig
Warum gibt es das?
Schlecht
             - Ahmad

 

Samia Wortbild