Wörterwelten. Autorenpatenschaften II – Literatur lesen und schreiben mit Autor*innen

Eine Initiative des Bundesverbandes der Friedrich-Bödecker Kreise e.V. (FBK)

Lokale Bündnispartner: FBK für Thüringen e.V., Wendepunkt e.V. und die Stadtbibliothek Neustadt an der Orla

 


 

Interview mit einer Stadt

Im letzten Jahr veröffentlichte Thilo Reffert mit „Fünf Gramm Glück“ die Lebensgeschichte einer Brotdose – erzählt von ihr selbst. In vielen Begegnungen seinen jungen Leser*innen hat der Autor seitdem die Erfahrung gemacht, dass Kinder den Reiz und die Ergiebigkeit dieser erzählerischen Verabredung schon nach wenigen Worten erfassen. Und Kinder können wunderbar weitere Episoden aus dem Leben von Brotdosen erfinden.

Schon am 24. Dezember 1954 hatte Heinrich Böll eine entfernte Verwandte der Brotdose zum Leben erweckt. In der Geschichte „Schicksal einer henkellosen Tasse“ ließ Böll an einem Heiligabend auf dem Fensterbrett eben jene Tasse ohne Henkel ihr bewegtes Schicksal memorieren.

Die Idee für das Kurzzeitmodul ist nun, in Greiz nach weiteren Verwandten der Tasse und der Brotdose zu suchen. Thilo Reffert wird mit den Teilnehmern des Workshops nach Objekten suchen, im öffentlichen Raum oder ganz privat, und mit den Kindern gemeinsam deren Geschichte erfinden und literarisch umsetzen.

 

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Kultur macht vieles – zum Beispiel stark

Stark finden auch die Teilnehmer von Wendepunkt e.V. in Wolfersdorf, was der Autor Ronny Ritze mit ihnen vorhat. Eine Gruppe von zehn Teilnehmern schreibt seit dem 30.01. 2018. an eigenen Geschichten. Die 13 bis 17-jährigen klopfen dabei Themen ab, die sie selbst bewegen. Ronny Ritze zieht den Rahmen und zeigt ihnen, wie Kurzgeschichten und Biografien aufgebaut werden, wie man die Perspektive einhält und den Text so interessant macht, dass man ihn irgendwann sogar vor Publikum vorlesen kann. Er hat Erfahrung darin: Ronny, wie sie ihn nennen, kennen sie als den Autor, der bereits jugendliche Inhaftierte ins Schreiben gebracht hat. Ein Jahr lang arbeiten die Wolfersdorfer nun mit ihm – und werden dabei ihre eigenen Erfahrungen machen.

Bevor die erste Werkstatt startet, gab es bereits eine Auftakt-Lesung in der Bibliothek Neustadt Orla in der Bibliothek Neustadt Orla, bei der Ronny Ritze sich und seine Arbeit vorstellte. Vom ersten Eindruck bis zum Ende der ersten Werkstatt zieht sich der O-Ton:

„Sie sind richtig chillig, Herr Ritze!“ (Dawid, 15)

„Das wird eine gute Zusammenarbeit“ (Dennis, 14)

Die Jugendlichen können sich in verschiedenen Kunstformen ausdrücken. Ob ein Buch, ein Hörspiel oder ein Theaterstück entsteht, ist noch offen und wird sich während der gemeinsamen Arbeit ergeben. Mitte des Jahres werden die ­jugendlichen Teilnehmer erste Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit präsentieren. Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Das Thüringer Konzept zu diesem Projekt kann man hier einsehen.