Comic Workshop

Ablauf

Der FBK für Thüringen e.V. hat gezielt mit Gemeinschaftsschulen, an denen verstärkt Kinder und Jugendliche aus anderen Herkunftsländern unterrichtet werden, Kontakt aufgenommen und die Projektidee an die zuständigen Schulleiter, Lehrer_innen und Sozialarbeiter herangetragen. Die Resonanz war überwältigend groß. Da wir trotz Fördermitteln und Spenden nur begrenzte Mittel zur Verfügung hatten, wählte der FBK für Thüringen e.V. schließlich zwei Schulen aus. Sie liegen beide in Gegenden, in denen viele sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche leben (Brennpunkt-Schulen).

Ein engagiertes Lehrerpersonal ermöglichte es, dass Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Altersgruppen (DAZ Klassen) angefragt wurden und die Teilnahme auf freiwilliger Basis erfolgte. Während der Projetwoche(en) waren in beiden Schulen auch jeweils eine Klassenlehrerin und ein Sozialarbeiter als Unterstützer bei den Werkstattarbeiten dabei.

Schon zu Beginn der Werkstattarbeiten musste der/die Werkstattleiter/in feststellen, dass viele der freiwilligen Teilnehmer_innen (12 bis 16 Jahre) noch sehr wenig Deutsch sprachen. Daher war es umso wichtiger, die ersten zwei Tage zum Kennenlernen zu nutzen. Hierbei wurde von der/dem Werkstattleiterin/leiter das Zeichnen als Kommunikationsmöglichkeit genutzt. Bei vielen der Kinder und Jugendlichen merkte man schnell, dass Malen und Zeichnen in ihren Herkunftsländern nicht zur ihren Schul- und Freizeitaktivitäten zählte. Am dritten Werkstatttag war es dann möglich, mit Unterstützung der Lehrerinnen und dem Sozialarbeiter, den Kindern verständlich zu machen, dass wir ihnen die Möglichkeit bieten, über ihre Heimat und das Fremde oder auch Vertrautes (siehe Ziel) in Form von selbstgemalten Bildern zu erzählen. Die Kinder und Jugendlichen waren begeistert bei der Sache. In beiden Schulen konnten die Illustratorin und der Illustrator feststellen, dass es auch jeweils eine/n sehr begabte/n Jugendliche/n gab. Da der FBK für Thüringen e.V. in seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus anderen Herkunftsländern die Erfahrung machte, dass es gerade für diese Zielgruppe sehr wichtig ist, ihre Arbeit gewürdigt zu bekommen, haben wir gemeinsam mit dem/der Illustrator/in entschieden, dass trotz unterschiedlicher Qualität ein Heft gedruckt wird.

Jede/r Teilnehmer/in soll vor den Osterferien ein Exemplar von dem/der Werkstattleiterin überreicht bekommen.

 

Teilgenommen haben: 26 Kinder und Jugendliche aus Afghanistan, Irak, Syrien, Polen, Bulgarien

  • 14 Teilnehmer: Abdul, Abdulrahman, Aida, Anatol, Hisham, Mohammed, Mohammad, Mohammed Mounir, Morad, Yousef, Jiri, Ahmad, Amir, Mohamad.
  • 12 Teilnehmerinnen: Anjila, Alzbeta, Anna, Elena Ewelina, Leis, Loredana, Loura, Majed, Nikola, Sandy, Siveen.

 

O-Töne zu den Ergebnissen


Frank Ruprecht (Illustrator-Werkstattleiter)

Tatort Erfurt, Gemeinschaftsschule am Großen Herrenberg.
Endlich mal ein friedlicher Tatort!

12 Kinder zwischen 12 und 16 Jahren aus vieler Herren Länder berichten in Bildern aus ihrer Heimat und wie sie sich in der Fremde fühlen. Unterschiedliche religiöse Hintergründe waren kein Hindernis für harmonische Kooperation. Herausgekommen ist dabei ein vielschichtiges Bilderbuch über die "Heimat in der Fremde".


Sylvia Priesnitz, Klassenlehrerin, Gemeinschaftsschule 4

Ich begann im März 2016 meine Lehrertätigkeit in der DaZ Klasse, die vorrangig aus arabischen Jungs bestand. Im neuen Schuljahr verschob sich die Zusammensetzung der Schüler etwas, da jetzt mehr Jugendliche aus Osteuropa in meiner Klasse Deutsch lernen. Sie sind alle sehr tapfer, denn fünf Stunden Deutsch jeden Tag ist eine Art Meisterleistung für die Schülerinnen und Schüler. Dank des wunderbaren Projektes und der einzigartig inspirierenden Art von Frank Ruprecht habe ich meine Zöglinge in dieser Zeit von einer ganz anderen Seite kennengelernt: kreativ, kunstinteressiert, eifrig... und vor allem umwerfend witzig.


Adroth A. Rian alias Xenia Ortlepp (Illustratorin-Werkstattleiterin)

Wie aufregend! Fünfzehn Kinder (zwischen 10 und 16 Jahren) von der Gemeinschaftsschule 2 am Roten Berg beschäftigten sich eine Woche lang mit dem Thema „Heimat in der Fremde“. Dabei entstand eine Vielzahl an kunterbunten Bildern und fesselnden Comics.


 

Bemerkungen zu den Bildern (Auszug)

Was verbindet uns? Schon in Syrien hatte Yousef gern Fußball gespielt.

Auch in Ausnahmesituationen gehört der Alltag zu jeder Heimat.

Es ist nicht alles schwarz und weiß. „Ich liebe Halloween“, stellt Abdulrahman fest.

In Schweigen gehüllt. Nicht jeder kann unverblümt über seine Heimat sprechen.

Darf ich meine neue Heimat mögen? Auf die Frage „Gehst Du gern zum Spielplatz“ antwortet Nour (aus Syrien) mit einem resoluten „Nein“. Genaueres Nachfragen enthüllt jedoch, dass sie sich in ihrem bunten Bild bereits auf einer Schaukel verewigt hat. Vielleicht sind Spielplätze ja doch ganz okay. Das fröhliche Gesicht auf der Zeichnung spricht zumindest dafür.

Neugierde auf das Fremde und der Wunsch, dass sich Kinder anderer Herkunftsländer in unserer Heimat wohlfühlen, waren ein Anlass, dieses Projekt umzusetzen.

Wir glauben, dass diese Projektwoche/n allen Teilnehmern/Teilnehmerinnen, Pädagogen und Künstlern Einblicke und Erkenntnisse gebracht haben, die es ermöglichen, mit dem greifbaren, realen Fremden in einer offenen Weise umzugehen.

 

Dieses Projekt wurde unterstützt von:

Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend
Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise e.V.
Thüringer Staatskanzlei

 

Projektergebnis Comic Workshop:

Comic "Heimat In der Fremde?!"